Saint-Flour (Bild: Petre Nag Natterer)

Saint-Flour (Bild: Peter Nag Natterer)

Puy Mary, Puy Violent, Puy de Dôme. Diese bis zum Gipfel mit Wiesen bedeckten erloschenen Vulkane der Auvergne kennt man vor allem wegen der Tour de France. Vielleicht denken Feinschmecker auch an den aromatischen Cantal-Käse und deren Milchlieferanten, nämlich die  als tollkühn, unabhängig und schlau geltenden  Kühe aus Salers (einem beeindruckenden mittelalterlichen Städtchen erbaut aus dunkelgrauem Basalt). Von Weide zu Weide wandernd sind die Cognac-farbenen Rinder mit den ausladenden Hörnern weithin zu sehen, als sich kreuz und quer bewegende rotbraune Punkte im intensiven Grün der Berghänge. Quasi vagabundierende Wahrzeichen der Region.

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Als weiteres Wahrzeichen muss die    auvergnatische Musik erwähnt werden: Bourrées, Walzer, Scottishes, Polkas und Cercles.  Höchst tanzbar und traditionellerweise auf  Dudelsack (cabrette) und Drehleier (vielle à roue) gespielt, die  im frühen 20.Jahrhundert weitgehend von Geige und Akkordeon verdrängt wurden, bis die Folkbewegung der 1970er    für  eine veritable  Renaissance  der  Bordun-Instrumente sorgte.

Saint-Flour mit seiner auf einem Basaltsockel thronenden historischen Altstadt ist  würdiger Schauplatz des Festivals der Bergregionen, dem Hautes Terres. Zitat aus dem Programmheft: „Ein Echo von einem Berg zum anderen, von Québec zu den Alpen und dem Baskenland, quer über das Massif Central zum Balkan und Mittelmeer, ja bis an die Grenzen Indiens. Eine Reise, die uns eine Vorstellung vom unendlichen Reichtum der Kulturen gibt.“

Festival Hautes Terres Saint-Flour 2016                 IMG_5745

Foto: Festivals Hautes Terres

Hotel Palindrone gab sich zweimal die Ehre: Konzert neben der trutzigen gotischen Kathedrale Saint-Pierre und Balfolk im  Park der Allée Georges Pompidou. Wie so oft in der palotischen Geschichte (eigentlich alle zwei Jahre im Juni und Juli, siehe Palotika 2014: „Paloten trotzen Rooney und Suarez“) mussten wir gegen die Anziehungskraft gleichzeitig stattfindender Fußballmatches anspielen. In Saint-Flour überwog bei weitem das Interesse an der Musik, wir konnten uns nicht über mangelndes oder abgelenktes Publikum  beklagen. Im Gegenteil: Die Zuhörer und Tänzer waren begeistert. Dafür   war es  gar nicht so leicht, nach dem zweiten Auftritt irgendwo ein Lokal mit TV-Gerät zu finden, um das Match Belgien gegen Ungarn zu sehen.

Da darf zu guter Letzt ein Blick auf die ballestrisch-musikalische Vergangenheit der Band geworfen werfen: Das erste Fußballmatch, gegen das wir antraten, war Niederlande gegen Kroatien (WM 1998). Es wurde  ein legendäres Gemeinschaftsspiel der Paloten mit den Kickern, denn ein Gewittersturm sorgte für Publikumslosigkeit beim Open Air in Gorizia (Italien), worauf  wir in ein Zelt flüchteten, wo zehn klatschnasse  Musikfreunde vor einem Videoschirm mit den Zähnen klapperten. Wir schauten uns gemeinsam das Spiel an und Hotel Palindrone lieferte den Soundtrack. Was nicht verhindern konnte, dass die von uns favorisierten Holländer verloren.