Der Teppich von Bayeux, Mont-St-Michel, die Kathedrale von Caen oder die Landungsstrände  der Alliierten samt zahlreichen Gedenkstätten sind wohl die berühmtesten Sehenswürdigkeiten der Normandie. Weniger bekannt hingegen ist die Halbinsel Cotentin, die aber viel zu bieten hat: Kilometerlange Strände, die sanft-hügelige und verschachtelte Heckenlandschaft der Bocage, die Hafenmetropole Cherbourg sowie die Fischerstädtchen Barfleur (wo Wilhelm der Eroberer 1066 Richtung England aufbrach – als Comic Strip eindrucksvoll dargestellt auf dem  Teppich von Bayeux) und Saint-Vaast-La-Hogue. Und eben  die Traversées Tatihou.

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Das Festival findet in zahlreichen Ortes des Val de Saire statt, vor allem aber in Saint-Vaast: Auf dem Hafenkai und auf der  Insel Tatihou mit den beeindruckenden Festungsbauten Vaubans, wohin man auch bei Ebbe, quer durch  Austernbänke,  marschieren kann.Üblicherweise verkehrt auch bei Niedrigwasser  ein  Amphibienboot zwischen Tatihou und dem Hafen, doch dieses Jahr, wenige Tage  vor Festivalbeginn, gab das mächtige Räderwerk des Schiffleins   den Geist auf und ließ sich trotz intensivster Bemühungen nicht reparieren. Die Schiffsschraube hingegen funktionierte und so konnte bei Flut der Fährbetrieb aufrecht erhalten werden.

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Sei es zu Fuß, mit dem Schiff oder mit dem Pferdewagen: Der Weg zur Insel ist  Teil des Konzeptes und des Charmes der Traversées. Damit bekommt (so der künstlerische Berater Gérard Viel, der  auch für die einflussreiche Fachzeitschrift Trad’Mag schreibt) der Titel eine ambivalente Bedeutung: Für zahlreiche Konzerte muss man das Meer überqueren, das Programm hingegen steht für das Überschreiten kultureller Grenzen. Die Grenzgänger dieses Jahres waren  Vox Bigerri (F), Wör (B), Solas (Irl-USA), Zachary Richard (USA), Sébastien Bertrand (F), Duo Bottasso (IT), Lucilla Galeazzi & Elena Ledda & Ginevra di Marco & Ricardo Tesi (IT), Galand Galanaina (PT), Melisande (CND), Monster Ceilidh Band (UK).

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Heuer gab es erstmals eine Tanznacht, wegen der Gezeitentiefstände zwischen 19h und 4h. Zum Abschluss spielte vor nimmermüden Tänzern Hotel Palindrone. Offensichtlich mit großem Erfolg, wie es die frühmorgendlichen Zugaben bewiesen.

Zu guter Letzt noch einige Reisetipps!  Essen und Trinken: Café de France in Barfleur, Le Goéland in Réville/Jonville, La Bisquine und La Criée du Tomahawk in Saint-Vaast. Übernachten: Manoir du Cabourg und Hotel La Gervaiserie in Réville. Einkaufen: Wochenmarkt am Samstag  in Saint-Vaast, Boucherie Villeneuve, Librairie La Chaloupe sowie die Episserie Gosselin.

Und noch ein Rat der Einheimischen, falls Sie einfach auf Glück bei Ebbe im Wattenmeer spazieren gehen oder Muscheln sammeln: „Respectez bien les horaires, la mer n’attends pas“ – „achten Sie gut auf die Stundentabellen,  das Meer wartet nicht.“

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