Bild: Peter Nag Natterer

Bild: Peter Nag Natterer

Zehn Tage  Donaufest Ulm. An beiden Ufern des hier noch recht schmalen Stroms  – und somit in zwei Bundesländern, denn Ulm mit seinem Münster gehört zu  Baden-Württemberg, während sich das am Südufer gelegene Neu-Ulm der Zugehörigkeit zu Herrn Seehofers Bayern erfreut (was sich angeblich in unterschiedlichen Strafzettelausfüllverhaltensweisen der jeweiligen Polizei äußert: Die Bayern intervenieren  bei Parkvergehen oder  Fahrten ohne grünen Umweltpickerl unerbittlich schnell, hörten wir).

Das Angebot des Festivals war breit gestreut: Musik von Klassik über Jazz zu Rock und World Music, Theater, Tanz, Lesungen, Ausstellungen – und natürlich auch Kulinarik der Donauländer (besonders beliebt die Standln mit ukrainischen Spezialtäten und rumänischem Wein gleich hinter der Neu-Ulmer Bühne). Beim musikalischen Programm war Österreich besonders stark vertreten – Wiener Tschuschenkapelle, Federspiel, Ernst Molden & Der Nino aus Wien, Madame Baheux, Catch-Pop String-Strong, Grossmütterchen Hatz Salon Orchester, Freischwimma, Hotel Palindrone und viele mehr. Außerdem spielten das Philharmonische Orchester der Stadt Ulm,  das Balanescu Streichquartett, Äl Jawala (DE), Nicim Izazvan (SRB), Violon Barabares (BGR), Peca (HU), Söndögö (HU), Branko Galoic & Shakavac Orkestar (HR),  Burdon Folk Band (UA – wie Hotel Palindrone Gewinner des Deutschen Folkpreises „Eiserner Eversteiner“. Außerdem, falls jemand die Danubianität  der Ukraine anzweifelt: Der nördlichste Arm des Donaudeltas bildet die Grenze zu Rumänien).

Noch ein Wort zum gotischen Ulmer Münster, Traumkathedrale aller Rekordfetischisten, denn schließlich ist sein Turm mit fast 162 Metern der höchste mittelalterliche Baukörper der Welt. Leider vergessen  viele Reisebücher (sogar der nüchtern-sachliche Baedeker)   vor schierer Begeisterung über diese Superlativierung darauf hinzuweisen, wie strahlend und geradezu schwerelos  der Innenraum wirkt, auch dank seiner ungewöhnlichen Seitenschiffe. Das Münster erscheint  viel größer und weiträumiger als von außen betrachtet – daran kann auch der Rekordturm nichts ändern. Dieses Paradoxon von Außen-Innen-Eindruck findet man in dieser Perfektion nur noch bei der Kathedrale von Vézèlay im Burgund.

Was noch erwähnt werden sollte: Albert Einstein wurde in Ulm geboren. Vielleich wäre er heute erstaunt über die Relativität polizeilicher Administration in der danubianischen Doppelstadt.

 

Seitenschiff des Münsters                                          IMG_6017

Seitenschiff des Münsters                                                     Der Weltrekordler