20 Jahre Hotel Palindrone

Marialena Fernandes, Matthias Loibner, Gerhard Ruiss, Nupi Jenner, Paul Dangl, Antonia Wernig, Yunus Hentschel, Biowobble,  Dudelsackbefreiungsfront – dazu  jede Menge anderer Musiker, die sich im Schwarzberg ein Stelldichein gaben, um das palotische Jubiläumsfest gebührend zu feiern. Es war ein großartiges Fest!

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Statt Patrick Bouffard Trio Palotische Supplierstunde!

Krems (5)

(Sgrafittohaus Krems, um 1555)

Der Großmeister des  zentralfranzösischen TradFolk sagte wenige Tage vor dem Auftritt in Krems-Stein ab. Was sollten die Veranstalter mit einem seit Wochen ausverkauften Konzert tun? Woher eine Band nehmen, welche  dem Motto des Abends, „Musik der Auvergne“, gerecht werden konnte? Franzosen ließen sich keine mehr auftreiben, aber die  Paloten hatten wundersamerweise Zeit – und konnten aus ihrem Gesamtrepertoire beziehungsweise mittels Improvisation ein abendfüllendes französisches Programm zusammenstellen. Fazit: Voller Saal, tolle Atmosphäre und nach  der gelungenen Herkulesaufgabe zufriedene Musiker.

Haus der Regionen (Foto NÖN)

(Foto: Niederösterreichische Nachrichten)

Wer Krems nicht kennt: Die an der Donau gelegene Stadt gilt wegen des Reichtums  an  mittelalterlicher     und  frühneuzeitlicher Architektur   als eine der schönsten Österreichs. Darüber hinaus (siehe das  Palotikum über Linz) halten Kulturexperten und Urbanisten Krems, samt der Zwillingsschwester Stein, für eine coole oder smarte Stadt.

Wer hätte das noch  vor dreißig Jahren gedacht, dass  aus einem schönen, aber verschlafenen und  erzkonservativen Bezirksstädtchen eine Kultur- und Bildungsmetropole entstehen könnte, wo sich Tradition mit Moderne sowie Ländliches mit Urbanität treffen?  Die Stadt ist noch immer klein (knapp 25.000 Einwohner), hat aber unglaublich viel zu bieten: Donaufestival, Festival Glatt und Verkehrt, Museumsmeile (mit Kunsthalle, Karikaturenmuseum, Forum Frohner), Literaturhaus, Haus der Regionen, Salzstadl und Donau Universität. Und so weiter.

Krems und Stein schmiegen sich nordwärts an steile Weingärten, in denen hervorragende Grüne Veltliner und Rieslinge produziert werden. Zum Verkosten direkt bei den Produzenten oder in einer der zahlreichen  Gaststätten, beispiels- und praktischerweise auch im Salzstadl oder im Haus der Regionen, wo zu guter Letzt Veranstalter und Hotel Palindrone  den Auftritt der  Patrick Bouffard Substitute Band feierten.

 

 

 

 

 

 

 


Landeshauptstädte-Tour. Klagenfurt-Graz-Salzburg

“Altstadtzauber“ Klagenfurt Zum dritten Mal Auftritt der Paloten beim großen Fest der Stadt Klagenfurt. Karinthisches Megaspektakel im Zentrum. Haidereske Buberlpartien und Ähnliches tauchten vor unserer Bühne nicht auf. Stattdessen  ein buntgemischtes Publikum,  tanzend  und feiernd.

“Aufsteirern“ Graz Das größte Volksfest der Steiermark. Laut Eigendefinition “charmant, spritzig, traditionsbewusst, originell und modern“. Wir können das bestätigen. Höhepunkte waren die Moderevue Tracht der Pracht sowie die Konzerte im Rahmen von VolXmusik on Air. Dabei sorgten Alma und Hotel Palindrone auf der großen Bühne vor dem Rathaus dafür, dass sich die “Volksmusik“ ihr “X“ redlich verdiente. Erwähnenswert die überall ausgeschenkten steirischen Weißweine – Welschriesling, Sauvignon Blanc und Weißburgunder. Gegenkultur  zum Maßbiertrinkertum!

“Domweihkirchweihfest zu Ruperti“ Salzburg Das Wetter spielte nicht mit. Nach wochenlanger Hitze ausgerechnet am Eröffnungsabend Regen und Kälte. Vor der Bühne am Domplatz blieben die üblichen Publikumsmassen aus, wer aber kam – hauptsächlich junge Leute in Dirndl und Lederhose – feierte mit Hotel Palindrone, die trotz klammer Finger und Zehen den Zuhören und Tänzern einheizten. Schließlich galt es, dem Motto des Konzerts Schräge Heimat gerecht zu werden.

Drei Paloten fuhren ausgefroren gleich nach dem Gig Heim, einer blieb in Salzburg, um am nächsten Tag den Rupertikirchtag, das größte Volksfest Salzburgs, zu genießen und Museen zu besuchen. Die Wettergötter meinten es jetzt gut (deswegen leichtes Zähneknirschen beim Paloten): Strahlende Sonne und tausende Leute. Aber das Aperschnalzen und die Fichtingers  Orgel ließen den Ärger rasch vergessen.

Beim Aperschnalzen werden bis zu vier Meter lange Peitschen (Goaßl) geschwungen und mit kraftvollem Geschick rhythmische Geräusche erzeugt. Und zwar so laut, dass man es in der ganzen Altstadt hört. Diese vor allem in Salzburg und Bayern gepflegte Tradition soll den Winter vertreiben und die Fruchtbarkeitsgötter wecken.

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Fichtingers Mechanisch-Pneumatische  Concertorgel (Ruth & Sohn 1910):  Nicht nur eine Orgel, sondern ein ganzes Orchester mit großem Repertoire, programmiert von Lochkarten. 56 Tonstufen mit 200 Pfeifen (Flöte, Violine, Trompete, Posaune, Bass, Bombardon).  Herzstück des Museums für mechanische Musikinstrumente in Hallwang bei Salzburg und seit Jahrzehnten eine der Hauptattraktionen des “Rupertikirchtags“ in Salzburg.

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Falls Sie ein weitgehend kitschfreies und authentisches mitteleuropäisches Volksfest genießen wollen, ohne Exzesse à la Münchener Oktoberfest (sowie ohne Seehofer, Söder & Co – an denen man ja vielleicht das Aperschnalzen ausprobieren könnte), dann auf nach Salzburg! Gleiches gilt für das Grazer Aufsteirern, das immer eine Reise wert ist.


Kreatives Durcheinander: Festival Kribiskrabis in Südtirol

Olang/Valdaora im Pustertal. Hochaufragende Dolomiten, kristallklare Seen – und massenweise sommerlicher Urlaubsverkehr, der sich durch das Pustertal Richtung Österreich beziehungsweise Brennerautobahn wälzt. Gleich neben der Staatsstraße und doch irgendwie weit weg vom scheinbar nie abreißenden Strom der Autos und Motorräder liegt das Festivalgelände des Dorfes Oberolang.

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Kribiskrabis“ heißt auf Südtirolerisch “durcheinander“. Die Veranstalter erklären den Namen ihres Festivals so: “Wir meinen damit ein durchaus positives Durcheinander und Miteinander in unserer Welt. Es steht für Freude, Begegnung, Austausch, Vielfalt, Toleranz, Genuss, Kunst und Kultur. Künstler und Handwerker von weither und von hier, die uns ihre Welt durch ihr Schaffen zeigen – und uns ein wenig dorthin entführen.“

Kribiskrabis führt vielfältige kulturelle und soziale Aktivitäten zusammen: Sprachen, Pädagogik, Philosophie, Politik, Ökologie, Musik, Tanz, Literatur, Malerei, Handwerk, Gastrosophie und Sport. Klingt überambitioniert – aber es funktioniert. Und wie!

Das Festival erscheint in einer vom Massentourismus überrollten Region  wie eine poetische Gegenwelt, eine Utopie, an deren Umsetzung allerdings mit viel Sinn für Realität gearbeitet wird. Ein Mini-Woodstock ohne Hippie-Pathos und Sechzigerjahre-Nostalgie. Und ganz sicher mit besserem Essen, Wein und Bier als bei der angeblichen Mutter aller Festivals. Euphorische  Schlammtänze entfielen dank herrlichem Wetter.

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Uns Paloten blieb wenig Zeit das breitgefächerte Programm zu genießen (Schicksal wohl aller Musiker). Aber  anregende Gespräche bei einem guten Abendessen vor  unserem spätnächtlichen Auftritt gingen sich aus. Und auch die Konzerte des Lila Indian Jazz Project sowie von Baba Sissoko Afroblues. Was wir musikalisch leider versäumten: Afriquoi, Catch Pop String Strong, Tanzhausgeiger, Maggie Rattle.


Mystisch und magisch - Lunzer See. Festival More OHR Less

“Seit Jahren stellt er auch ein kleines Musikfestival in der idyllischen Seenlandschaft von Lunz in Niederösterreich zusammen. … Ein einwöchiges Treffen der erweiterten Musikerfamilie, ein Stelldichein von Klangbastlern, Filmemachern, Poeten, Philosophen, die Roedelius mag und mit denen er kann.“ (Thomas Miessgang / Die Zeit, 30.Juli 2015)

roedelius - foto alexander gonzales Foto: Alexander Gonzales

Zum zwölften Mal lud der “kosmische Kurier“ Hans-Joachim Roedelius, weltweit als Pionier des Krautrock und der Ambient Music verehrt, nach Lunz am See. Zu einer Veranstaltung, die schwer zu beschreiben ist: Musikfestival? Wissenschaftlicher Kleinkongress? Philosophisches Symposium? Wie auch immer – More OHR Less ist ein guter Grund in diese etwas abgelegene Region zu fahren. Und dabei vielleicht auch die Kartause Gaming zu besuchen, den See zu genießen oder den Ötscher zu erwandern.

Das Wetter meinte es dieses Jahr gut mit dem Festival. Sonne, Hitze und sogar angenehme Wassertemperaturen des auch im Sommer ziemlich kühlen Sees. Für die Musizierenden auf der schwimmenden Bühne jedenfalls eine stressfreie Angelegenheit vor einem entspannten Publikum – keine die Dachkonstruktion bedrohende Windstöße, keine die Tontechniker und Musiker alarmierenden Blitze über den nahen Berggipfeln, kein über das Wasser heranrollender Donner. Und damit auch nicht rasches Evakuieren von Mensch und Technik, sowie keine improvisierten Konzerte in einem nahegelegenen Wirtshaus. Was alles aber auch seinen eigenen Reiz hat.

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Jedenfalls dieses Mal ideale Verhältnisse – allzu oft erhalten Musiker nicht die Gelegenheit, knapp vor dem Konzert vom Arbeitsplatz ins Wasser zu springen und gut erfrischt den Dienst anzutreten.

Das Programm war wie jedes Jahr vielfältig: Hans-Joachim Roedelius, Michou Friesz, Harri Stojka Trio, Thomas Rabitsch, Peter Kruder, Hotel Palindrone, Christopher Chaplin, etc.

“More OHR Less is a magical festival: it’s the feeling of the place, what nature brings to it, and all the while discovering amazing artists.” (Christopher Chaplin)

 


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